Mo
12
Okt
2009
The Spirit of Chicago

Da hat man sich zehn Wochen lang auch bei miesem Wetter oder sonntags in unchristlicher Frühe die Laufschuhe geschnürt, um nur ja den unnachsichtigen Trainingsplan zu erfüllen und dann ist alles in drei Stunden vorbei. Und dennoch hat sich die Plackerei absolut gelohnt, denn der Chicago Marathon war ein großartiges Erlebnis und hat mir nicht zuletzt ermöglicht, endlich die magische drei Stunden Marke in 2:59:34 zu knacken. Dabei liefen einige Dinge zunächst alles andere als glatt. Nach dem letzten langen Lauf am vergangenen Wochenende hatte ich mich bei Dauerregen prompt erkältet und meine Anreise war eigentlich viel zu spät, um den Jetlag zu überwinden und sich zu akklimatisieren. Zudem waren die Bedingungen bei meinen Gastgebern weniger als optimal, weshalb ich mich spontan im Hotel einquartierte.
Dafür lief es am „Race Day“ dank umso besser. Nachdem mich ein freundlicher Taxifahrer um fünf Uhr morgens (!) abgeholt und auf dem
achtspurigen Expressway zügig nach Downtown gebracht hatte, blieb noch Zeit für ein Marathonfrühstück bestehend aus Mocha und Bagel. Danach kam das übliche Prozedere, das so perfekt organisiert
war, wie ich es noch nie erlebt habe. Außerdem waren alle sehr entspannt und freundlich und es gab trotz der beachtlichen Zahl von 34.000 Finishern kein Gedränge und kein Geschiebe. Angesichts
der Temperaturen, die am frühen Morgen kaum über Null gelegen hatten, hätte man sich sogar fast etwas mehr Läufer quasi als Heizung im Startblock gewünscht, von dem ich bei blauem Himmel direkt
auf die imposante Skyline Chicagos sehen konnte. Nachdem massenweise überschüssige Kleidung durch die Luft geflogen war, die natürlich einer "Charity" gespendet wurde, ging das Rennen los und 20
Sekunden später überquerte ich bereits die Matten für die Zeitmessung. Obwohl es erst 7.30 war, gab es bereits eine wahnsinnige Stimmung an der Strecke und man konnte meinen, bereits auf der
Zielgeraden zu sein. Die ersten 10 km war ich daher mit einem Dauergrinsen unterwegs und hatte da schon beschlossen, dass sich der ganze Aufwand absolut gelohnt hatte.
Meine Rennstrategie zur lang ersehneten Überwindung der Marke von drei Stunden war recht sipmel. Ich hatte mir vorgenommen, möglichst gleichmäßig einen Schnitt von 4:15 zu laufen, wobei die
ersten 5 km etwas langsamer sein durften. Ab der 20. Meile wollte ich dann noch etwas zulegen, wenn sich die Beine gut anfühlen sollten. Die Rechnung ist auch weitgehend aufgegangen: Wie die
Zwischenergebnisse zeigen, war ich nach 10km 6 und an der Halbmarathon-Marke 15
Sekunden im Plus. Bei km 30 war es dann allerdings nur noch eine und bei km 40 nur 4 Sekunden, weshalb ich dann die letzten beiden km noch mal schneller gelaufen bin, sodass ich letztlich 26
Sekunden unter 3 Stunden ins Ziel kam. Damit waren beide Hälften fast gleich schnell. Allerdings war es mir nicht möglich, das Tempo auf den letzten 10 km zu erhöhen, da es gerade auf diesem
Streckenabschnitt mächtig Gegenwind gab. Außerdem traute ich mich nicht, mich von den Pacemakern zu lösen.
Auch sonst waren die Pacemaker von Nike ein Segen. Für die Zielzeit von 3:00 gab es jeweils links und rechts einen Läufer mit einem gut sichtbaren Schild, was eine große Hilfe war. Sie waren von einer Traube anderer Läufer umgeben und weil’s dort nicht so windig und kalt war, hängte ich mich hinten ran. Da mir die Pacer zuverlässig zu sein schienen, behielt ich sie stets in Sichtweite und auch auf den letzten harten 10 km haben sie mich dann auch super gezogen.
Die Meilen purzelten nur so auf dem topfebenen und schnellen Kurs und alle 5 km drückte ich mir ein Gel rein. Die auf einander abgestimmten Gels aus Frankreich sind zwar ziemlich dickflüssig, aber offenbar gut bekömmlich. Insbesondre das letzte bei km 40 hat mir einen echten Kick gegeben, weshalb meine letzte Meile die schnellste war. Mein einziges Problem war eigentlich nur, dass ich im Singlet doch etwas dünn angezogen war, da die Temperatur auch später im Rennen auf höchstens 9° C angstieg. Das nächste Mal werd ich mir auch solche hübschen Armlinge besorgen.
Weil ich dank der Pacer nicht ständig auf die Uhr sehen musste, konnte ich auch etwas sightseeing machen. Am besten war natürlich das Laufen
durch die Häuserschluchten der Wolkenkratzer Downtown, aber auch Old Town und China Town, in der schon am frühen Morgen nach Asia-Imbiss roch, waren super. Besser noch aber war das Publikum: Die
Amis haben es echt drauf, eine positive und motivierende Stimmung zu verbreiten. Alles in allem war das mit Sicherheit mein spannendsder Marathon, bei dem einfach alles passte. Einige
Fotoimpressionen gibt es hier.
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5 Kommentare
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#1
Herzlichen Glückwunsch Andre,
als ich im Videotext von Temperaturen um den Gefrierpunkt las, hatte ich mir schon Sorgen um Dich gemacht. Super, daß es trotz der widrigen Umstände geklappt hat. -
#2
Super André -Herzlichen Glückwunsch!
Es war bestimmt ein tolles Rennen - habe es live im Internetstream gesehen - sehr inspirierend! Gruß vom Uwe
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#3
Herzlichen Glückwunsch! Eine der ganz großen Hürden genommen!
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#4
Vielen Dank euch allen! @ Clem: Du hast recht, es war morgens tatsächlich um die Null Grad, wie ich jetzt erst erfahren habe.
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#5
Klasse und Glückwünsch Andre, endlich die Schallmauer
durchbrochen! Die Kälte hast du uns gleich mit
rübergeschickt -bibber-. Noch viel Spass in Kanada 
BSG Crosslauf, Foto: H. Sickart
